Was ist Rund- & Langwirken und Rundschleifen?
Hier erkläre ich dir was Rund- & Landwirken sowie Rundschleifen ist. Gerade am Anfang können die verschiedenen Fachbegriffe überwältigend sein.

Rundwirken, Langwirken und Rundschleifen bedeutet im Grunde nur „in Form bringen“. Je nach gewünschter Form, rund oder länglich, wird das entsprechende Wort verwendet. Von Rundwirken spricht man bei runden Broten, von Langwirken bei länglichen oder ovalen Broten. Rundschleifen wird für Brötchen verwendet.
Das Formen des Brotteiges ist mein Lieblingsteil beim Sauerteigbrotbacken. Nach dem stundenlangen Aufgehen des Sauerteigs, dem Mischen des Teigs und der Massengärung (Stockgare) kann ich endlich selbst kreativ werden und mit meinen Händen arbeiten.
Warum muss der Brotteig geformt werden?
Streng genommen muss ein Brotteig nicht unbedingt geformt werden. Manche Brotsorten werden einfach nur geschnitten und zum Backen auf den Boden gelegt (z. B. Ciabatta ist eine Brotsorte, die wenig oder gar nicht geformt wird). Durch das Formen kann dem Sauerteigbrot jedoch eine ansprechende Form gegeben werden. Die Form eines gebackenen Brotes ist nicht nur für das Aussehen wichtig, sondern hat auch Einfluss auf die Qualität des Brotes.
Wenn man den Sauerteig in die gewünschte Laibform bringt, ist es das Ziel, eine Oberflächenspannung an der Außenseite des Teigs zu erzeugen, ohne den empfindlichen inneren Teig zu beeinträchtigen. Diese Oberflächenspannung sorgt dafür, dass der Laib während des Backens seine Form behält und sich beim Backen besser ausdehnen kann.
Würde man den Teig also einfach von der Schüssel in den Ofen schieben, könnte es passieren, dass der Teig einfach auseinanderläuft, anstatt ein schönes Brot zu werden. Genau genommen zeigst du dem Teig, wohin er im Ofen gehen soll.
Wann wird der Teig geformt?
Am Ende der Stockgare wird der Teig ggf. in die Anzahl der Brotlaibe geteilt. Da es am Anfang schwierig ist zu wissen, wann die Gärzeit vorbei ist, habe ich dir hier eine Liste mit Indikatoren zusammengestellt:
- Der Teig sollte sich vergrößert haben (oder knapp darunter liegen).
- Die Oberfläche muss leicht gewölbt sein und sich vom Rand der Schüssel oder des Gefäßes lösen.
- Die Oberfläche ist glatt und es bilden sich Blasen – sie sollte nicht klebrig sein.
- Sie sollte sich leicht und luftig anfühlen, wie ein großes Kissen.
- Wenn du auf die Unterseite schaust (durchsichtiger Behälter), siehst du große Bläschen, die wie ein riesiger Schwamm am Glas haften.
Wenn du anfangs immer wieder nach deinem Teig schaust, wirst du schnell merken, wann es Zeit zum Formen ist.
Lass dich nicht entmutigen, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt. Wie alles, was du im Leben lernst, braucht es manchmal ein paar Anläufe.
Wie funktioniert Rundwirken und Langwirken?
Es gibt verschiedene Anleitungen und Methoden, was ich dir hier beschreibe, ist eine davon. Wenn du ein paar Brote gebacken hast, kannst du auch andere Methoden ausprobieren.
1. Teig aus der Schüssel nehmen
Mit einem Teigschaber nimmst du den Teig vorsichtig aus der Schüssel und lässt ihn auf eine leicht bemehlte Fläche gleiten.

2. Teig formen
- Ziehe den Teig vorsichtig zu einem Quadrat.
- Beginne auf der linken Seite, dehne und strecke den Teig nach links außen und falte ihn zur Mitte hin.
- Wiederhole den Vorgang auf der rechten Seite, dehne und strecke den Teig nach rechts außen und falte ihn zur Mitte hin.
- Dehne und strecke den Teig nach unten und falte ihn zur Mitte hin.
- Wiederhole den Vorgang für die obere Seite.
- Alternativ kannst du den Teig auch aufrollen, nachdem du ihn links und rechts gefaltet hast.





3. den Teig kurz ruhen lassen
Löse den Teig vorsichtig mit einem Teigschaber von der Arbeitsfläche, drehe ihn mit der Naht nach unten und lasse ihn 5–10 Minuten ruhen, damit sich die Gluten entspannen können.
4. Teig in Form bringen
Mit bemehlten Händen den Teig vorsichtig in Form bringen, indem man ihn in kreisenden Bewegungen über die Arbeitsfläche zieht, um die Form bzw. Oberfläche zu festigen.

5. Stückgare vorbereiten
Den Teig mit der Naht nach oben in eine leicht bemehlte Schüssel oder einen Gärkorb legen. Danach beginnt die Stückgare für ca. 1–3 Stunden bei Raumtemperatur oder über Nacht im Kühlschrank.

Rundschleifen
Da Brötchen viel kleiner sind als ein Brot, werden diese nicht wie Brote gewirkt, sondern geschliffen:
1. Teig aus der Schüssel nehmen
Mit einem Teigschaber den Teig vorsichtig aus der Schüssel nehmen und auf eine leicht bemehlte Fläche gleiten lassen.
2. Teig schneiden
Für perfekte Brötchen empfiehlt es sich, eine Waage zu benutzen, um die Teigstücke auf das gleiche Gewicht zu bringen. Teile das Teiggewicht durch die Anzahl der gewünschten Brötchen. Üblich sind 80 bis 90 g pro Teigling und 8 bis 12 Brötchen pro Teig, je nach Rezept und gewünschter Brötchengröße.
Das Abwiegen ist mir meistens zu aufwendig. Da es mich nicht stört, wenn das eine oder andere Brötchen etwas größer oder kleiner ausfällt, mache ich entweder eine große Kugel und teile den Teig dann wie einen Kuchen oder ich forme vorsichtig ein grobes Rechteck und teile den Teig dann in die Anzahl der Brötchen, die ich haben möchte.


3. Brötchen formen
- Deine kleinen Teigstücke haben jetzt durch das Teilen eine leicht bemehlte Unterseite und eine eher „klebrige“ Oberseite. Ziehe die Seiten deines Teiglings zur „klebrigen“ Seite hin über die Arbeitsfläche und forme eine Kugel.
- Drehe die Kugel um, sodass die „Naht“ unten und die bemehlte Seite oben ist.
- Um auch hier eine Oberflächenspannung zu erzeugen, werden die Teigkugeln entweder auf der Arbeitsfläche oder mit der Hand vorsichtig „geschliffen“. Dies geschieht, indem der Teigball langsam über die Arbeitsfläche oder die Hand gezogen wird. Die Oberfläche wird dadurch gespannt und der obere Teil des Balles wird durch diese Bewegung in den unteren Teil gedrückt oder gezogen.




Tipps: Bemehle die Arbeitsfläche nicht zu stark. Der Teig rutscht dann einfach herum, ohne sich zu spannen. Ich benutze ein Teesieb als Mehlsieb, um die Oberfläche nur leicht zu bestäuben. Wenn du nicht genug Oberflächenspannung bekommst, die wichtig ist, um den Teig zu formen, wische die Arbeitsfläche mit Wasser ab, trockne sie und fange von vorn an.
Wenn dein Teig zu klebrig oder unhandlich ist, lege ihn für 15 Minuten in den Kühlschrank und versuche es noch einmal. Ein kühler Teig lässt sich leichter verarbeiten und klebt nicht so stark wie ein „warmer“ Teig.
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